Tausende Frauen, viele mit Kleinkindern, wurden bei der unbegreiflichen “Säuberung” in der Türkei verhaftet. Sie sind derweil in den Haftanstalten verschiedensten Misshandlungen und Folter ausgesetzt. Somit fungieren die Gefängnisse bei der systematischen Verfolgung von Kritikern und Oppositionellen als wirkmächtiges Einschüchterungselement der Regierung in ihrer Willkürherrschaft. Ausgehend von dem Bericht des Stockholmer Zentrums für Freiheit (SCF) “Inhaftierung von Frauen in der Türkei: Systematische Kampagne der Verfolgung und Angst” versuchen wir nun die aktuelle unerhörte unmenschliche Lage zu schildern.

Das Stockholmer Zentrum für Freiheit erklärt das fatale Vergehen an Frauen als Einschüchterungsmittel, um die Bevölkerung mundtot zu stellen. Beispiele für diese Vergehen sind die Verhaftungen von Schwangeren oder Frauen am Krankenhaus gleich nach dem Entbinden. Folglich traut sich keiner mehr zu, seine Stimme gegen die Despotie zu erheben, Andersdenkende und kritische Stimmen verstummen.

In mehreren Fällen hat das SCF festgestellt , dass Frauen direkt nach der Geburt ihres Kindes ohne sich erholen zu können im Krankenhaus festgenommen wurden. (Nachzulesen auf der Twitter-Seite von Turkey Purge und auf vielen anderen Plattformen.) Frauen wurden beim Besuch ihrer Männer verhaftet, ihre Kinder dem Schicksal überlassen. All dies geschieht nur, weil die Regierung das Justizsystem gnadenlos dazu missbraucht, Kritiker maßlos und unverhältnismäßig zu bestrafen.

Wegen der Folter und den Qualen hat eine Frau ihren Verstand verloren. Als sie in Polizeigewahrsam war, wurde ihr Zustand in einem ärztlichen Diagnosebericht festgehalten. Wider diesem Bericht vom Arzt wurde sie erneut ins Gefängnis gesteckt. Des Weiteren ist bereits die Geschichte von der Frau des verfolgten Journalisten Korucu allseits bekannt. Wie denn auch nicht, wenn sie aufgrund der Nichtanwesenheit des Mannes verhaftet wird. Frauen von Geschäftsmännern, die als Unterstützer von Erdogan-Gegnern bekannt sind, wurden gezielt verhaftet. Zuvor wurden ihre Unternehmen und ihr Privatvermögen beschlagnahmt.

Abdullah Bozkurt, der Präsident vom SCF, betont: “Mit diesem gezielten Verhaften von Frauen wird verkündet, dass niemand vor dem Zorn des Präsidenten Erdogan und seiner Regierung sicher ist.

Das verstößt eindeutig sowohl gegen das türkische Recht, als auch gegen die von der Türkei auf internationalen Ebene unterzeichneten Vorschriften.”

Dieses unverhältnismäßige Vorgehen, die beschämende Praxis Journalistinnen, Richterinnen, Lehrerinnen und Ärztinnen in diesem immensem Ausmaß zu verhaften, stellt eine neue Dimension der brutalen Hexenjagd der Regierung dar. Auf der Zielscheibe stehen hauptsächlich Menschen aus dem bürgerlichen Teil der sog. Gülen-Bewegung (Hizmet-Bewegung).

Keiner der Frauen, die jetzt beschuldigt werden den Staat stürzen zu wollen, wurde je vorbestraft. Alle wurden über Nacht zu Terroristen und zu Anstiftern des Putsches erklärt, weshalb sie wie Schwerverbrecherinnen misshandelt werden. Noch liegt keine Spur einer Anklagschrift vor, geschweige denn einem Urteil. Trotzdem bleiben sie in Untersuchungshaft, vermutlich nur um sie leiden zu lassen.

Das SCF führt auch die körperlich und geistlich miserablen Gesundheitszustände der Frauen auf. Traumata durch Einkerkerungen sind hierbei keine Einzelfälle. Diese krankhaften Zustände entstehen vor allem durch die Beschimpfungen, die Isolation, die mangelhafte Ernährung und durch den fehlenden Zugang zu medizinischer Versorgung. Die Auswirkungen der tausenden willkürlichen Verhaftungen von Frauen beschränkt sich natürlicherweise nicht nur auf sie selbst. Ihre Kleinkinder, ihre zu betreuende Familienangehörige, also in der Summe werde ganze Familien in den Abgrund gestoßen und das gezielt.

“Die dokumentierten Fälle sind nur die Spitze des Eisbergs. Viele Schicksale wurden nicht zu Wort gebracht, weil weitere Verfolgungen der übrigen Familienangehörigen befürchtet werden. Auch wurden die Namen der Opfer nur teilweise unverändert wiedergegeben, um sie vor Repressalien zu bewahren. Dies führt uns nochmals deutlich die schrecklichen Zustände in der Türkei vor Augen”, erläutert das SCF.

Das Institut fügt hinzu: “Präsident Erdoğan, der diese Hexenjagd mit seinen Komplizen in der Verwaltung/Regierung führt muss für dieses entsetzliche Vorgehen verantwortlich gemacht werden. Denn dieses Vorgehen hat verwüstende Auswirkungen auf die Zustände der Frauen und ihrer Kinder.”

Der SCF Bericht ist abrufbar unter: http://stockholmcf.org/wp-content/uploads/2017/04/Jailing-women-in-Turkey.pdf

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